Das Kreuz, an dem Jesus Christus starb, um die Menschheit - nach theologischem Verständnis - von ihren Sünden zu erlösen, ist bis heute das zentrale Symbol der abendländischen Christenheit. Es erinnert die Gläubigen an den Kreuzestod Christi, den es als sichtbares Zeichen stets vergegenwärtigt.
Die kunstgeschichtliche Forschung hat sich in der Vergangenheit intensiv mit der Darstellung und Verehrung des Kreuzes in Frühchristentum und Mittelalter auseinandergesetzt. Für die reformatorische und nachreformatorische Zeit liegt hingegen keine systematische Untersuchung zu diesem Thema vor.
Die Tagung soll erstmals einen umfassenden Blick auf die Rolle des Kreuzes in der Kunst der Frühen Neuzeit ermöglichen. Hierfür wird der Dialog mit den Nachbardisziplinen Theologie und Geschichte gesucht, ohne den eine kunsthistorische Auseinandersetzung mit dem Thema Kreuz nicht möglich ist.
In der ersten Sektion der Tagung erfolgt die Anknüpfung an die Kreuzforschung des frühen Christentums und des Mittelalters, da trotz des Bruches, den die Reformation für die Verehrung und Darstellung des Kreuzes bedeutet, auch Kontinuitäten eine wichtige Rolle spielen. Zentrale Diskussionspunkte der weiteren Sektionen sind die Wechselwirkungen zwischen theologischer Kontroverse, bildender Kunst und Kunsttheorie sowie die fundamentale Rolle Italiens und insbesondere Roms für die Erneuerung der katholischen Kreuzverehrung. Mit der Schlosskirche Heiligkreuz in Rastatt findet sich am Tagungsort ein Beispiel, in dem sich der prägende Einfluss der Heiligen Stadt sowie die Verbreitung einer spezifisch nachtridentinischen Kreuzverehrung nördlich der Alpen widerspiegelt. Die abschließende Sektion beschäftigt sich erstmals umfassend mit der Kreuzthematik im mitteleuropäischen Raum.